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Einführung: Wir lesen Ovid

Ovids Metamorphosen sind ein Klassiker. Berühmt vielleicht, aber doch nicht so oft gelesen. Es hat schließlich 15 „Bücher“ und rund 12.000 Verse. Ich werde sie jetzt lesen und über meine Leseerfahrung regelmäßig berichten. Wenn Sie Lust haben, schließen Sie sich einfach an.

I 1-4: Prooemium

In Nova …

Manchem Wort geht ein Vorwort voraus. Bevor’s richtig los geht, möchte man sicherstellen, dass der Leser es auch richtig versteht, was er da zu lesen bekommt. Ovid kommt bei seinen Metamorphosen mit vier Versen aus, die es allerdings in sich haben.

Die Welt wird geschaffen und sie wird menschlich. Ohne ihn haben alle Verwandlungen keinen Sinn. Sie meinen das sei nicht so ganz einleuchtend? Ja dann, lesen Sie weiter.

Die Geschichte nimmt ihren Lauf. Der Mensch wurde geschaffen und wird zum „eisernen Geschlecht“. Und lehnt sich nach einer zweiten Schöpfung gegen die Götter auf. Der Mensch zeigt sich dem Menschen als Wolf.

E.T.A. Hoffmann hat darüber geschrieben und auch Arno Schmidt. Hoffmanns steinernes Herz kenn’ ich nicht (;-)), das von Arno Schmidt schon. Vor rund 40 Jahren als ich’s las, hab’ ich zwei Jahre – Minimum – so gesprochen wie er schrieb. Aber das ist alles nichts gegen das, was Ovid uns präsentiert. Hier werden Steine geworfen und Menschen gefangen.

I 416-437: Urzeugung

Dichterische Urzeugung

Urzeugung“, so überschreibt Michael von Albrecht in seiner Prosa-Übersetzung der Metamorphosen des Ovid den Abschnitt, der die Erneuerung des Lebens nach der von den Göttern verfügten Sintflut beschreibt. Die Renaissance der lebendigen Welt zeigt beim Dichter Ovid völlig andere Züge als beim gottesfürchtigen Noah.

II 1-400

Welt in Flammen – Phaethons freier Fall

Es kann alles ganz schnell gehen. Alles scheint irgendwie verständlich und gut geordnet und dann brennt plötzlich die Welt. Festgefügte Reiche zerfallen, ja selbst die Ordnung der Welt zeigt ihre zerbrechliche Form. Ovid überrascht uns schließlich mit einer traurigen Verwandlung.

II 401-832

Das Feuerwerk nach dem Feuer

Die Welt stand in Flammen. Die Katastrophe konnte nochmal verhindert werden. Aber zum Guten hat es sich damit noch nicht gewandelt. „Jetzt geht wieder alles von vorne los“. Ovid zündet ein Feuerwerk tragisch-komischer Verwandlungen aus dem wir manche Einsichten ziehen können.

II 836-875

Europa kommt nach Europa

Ein Gott wird zu einem Stier. Weil er hinter einer menschlichen Schönheit her ist. Merkwürdig? Stimmt, aber es ist die <em>causa amoris</em>. Und ganz nebenbei gewinnt ein Kontinent seinen Namen.

III 1-137

Das dramatische Wesen des Politischen

Ovid greift auf große Mythen zurück und verwandelt sie. Der Mythos von der Gründung Thebens ist zugleich eine Besinnung auf das Wesen des Politischen. Bei Ovid gibt dem eine neue Form.

III 138-252

Verkehrte Welt – alles einmal unverhüllt

Vom Jäger zum Gejagten – ist das eine Verwandlung, die uns gefällt? Wohl kaum. Es wäre eine verkehrte Welt, die zeigt, wie verkehrt die Welt in Wirklichkeit ist. Aber keine Sorge, auch darüber siegt die dichterische Verwandlung.

III 253-315

Eine besondere Rache

Ein Mann geht fremd – und wie reagiert die Ehefrau? Sie sinnt auf Rache und führt ihren Gatten und seine Geliebte nochmal zusammen, damit sie’s richtig und zwar tödlich treiben. Das ist was Ovid aus dem Mythos um die Geburt des Dionysos und damit dem griechischen Lebensgefühl macht.

III 316-338

Wer hat mehr vom Sex?

Es gibt Dinge, die wir schon immer über Sex wissen wollten. Auch die olympischen Götter haben sich da so einige Fragen gestellt. Dabei läuft nicht immer alles rund und ohne Peinlichkeit. Vor allem dürfen die Menschen nicht in die Quere kommen.

III 339-510

Ach, das bin ja ich!?

Erkenne, was Du bist„, hieß es am Apollontempel zu Delphi und wurde dann zum Programm von Philosophie und Ethik. Ovids Geschichte von Narziss gibt dem Ganzen eine neue Wendung. Das dürfte seit Narzisssmus, wie man hört, eine neue Volkskrankheit ist, auch jenseits der Altphilologie von Interesse sein. Ovids Narziss gibt jedenfalls zu denken.

III 511-732

Der Staat sieht sich bedroht

Von der eigenen Mutter und ihren Schwestern bei lebendigen Leib zerrissen – das soll das Schicksal des zweiten Thebaner-Königs gewesen sein. Pentheus sah sich von einer Macht bedroht, die er aus der Stadt verbannen wollte und die dann zurückschlug. Das ist nicht nur Mythos – das sagt auch etwas über Politik.

IV 1-415

Wir erzählen um zu arbeiten

Wozu dient der Rausch? Nicht mal dem Leben. Das Leben ist Ekstase. Und Götter dienen gar nicht. Auch nicht der Jüngste. Wer das anders sieht, der wird durchs Leben bestraft und jedenfalls in seinem Wesen verändert.

IV 416-603

Schlangen und ihre Widersacher

Die Erfolgreichen, geschäftlich und privat, seien gewarnt, den Tag nicht vor dem Abend zu loben. Man schleppt aus alten Tagen eine Menge mit sich herum. Am Ende entkommt niemand sich selbst.

IV 604-803

Angst versteinert

Es gibt sie, die Lieblinge der Götter. Odysseus ist so einer. Und Perseus. Und ihr Geschick, das bleibt, weil es erzählt wird, für immer ein Teil unserer Geschichte.