Hoffnung statt Erkenntnis

Wer Philosophisches zur Zeit sagen will, der sollte auch auf Richard Rorty hören. Tatsächlich ist er auf PzZ schon gelegentlich aufgetreten (zuletzt in „Von der Grausamkeit“) und mit gebührender Hochachtung begrüßt worden. Ein Leser von PzZ möchte das vertiefen und geht Rortys praktischer Philosophie nach, die weniger auf gewisse Erkenntnis setzt als auf Hoffnung.

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Mit dem anderen Auge

Erinnerungen haben schnell etwas Selbstgefälliges. Man neigt leicht dazu, sich zu wichtig zu nehmen. Das kann auch Leuten passieren, die wirklich wichtig waren. Dieser Fehler unterläuft Peter Wapnewski nicht. Eine maßgebliche Rolle in der Entwicklung der bundesrepublikanischen Universitäts- und Kulturlandschaft ist ihm sicherlich nicht abzusprechen. Aber Peter Wapnewski geht es nicht um seine Person, sondern um die Zeit in der lebte und insbesondere um die Menschen, mit denen er zu tun. Darüber erfährt man in seinen Erinnerungen sehr viel.

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Von der Grausamkeit

Grausamkeit zählt zum Schlimmsten, was wir tun. In der Ethik ist das Nachdenken darüber freilich nicht sehr ausgeprägt. Schauen wir in die Geschichte der Ethik, dann finden wir dazu vergleichsweise wenig. Und doch hilft eine kleine Genealogie der Tugend zur richtigen Einordnung.

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Grundrechte in Quarantäne

In der Düsseldorfer Altstadt und am Rheinufer herrscht Maskenpflicht und Verweilverbot. Spaziergänger dürfen auf der Uferpromenade nicht stehenbleiben, um gedankenverloren den vorbeiziehenden Schiffen nachzugucken. Sie müssen in maskierter Bewegung bleiben. In Hamburg verfolgen zwei Polizei Fahrzeuge einen Siebzehnjährigen quer durch einen Park, weil er sich mit Umarmung von seinen Freunden verabschiedet hatte. Szenen aus Deutschland im Februar 2021. Was einer der kritischen Begleiter der deutschen Innen- und Rechtspolitik, der ehemalige Richter, Staatsanwalt und langjährige SZ-Redakteur Heribert Prantl, dazu sagt, kann man jetzt in seinem neuen Buch nachlesen: „Not und Gebot. Grundrechte in Quarantäne“ (2021). Ich hatte ihn immer gern gelesen und es tut gut, es nun wieder zu tun.

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Kultur der Zurückhaltung & ziviler Ungehorsam

Lord Sumption ist zweifellos dem britischen Establishment zuzurechnen. Er ist natürlich Eton Absolvent, hat in Oxford studiert – wo sonst? – und schließlich dort mittelalterliche Geschichte auch gelehrt. Nach Ausflügen in die Politik arbeitete er als Rechtsanwalt und galt dem „Guardian“ als „a member of the one-million-a-year club“. Schließlich wurde er in den Supreme Court berufen und damit zu einem der obersten Richter des Vereinigten Königreichs. Und jetzt gab er ein Interview, das es in sich hat. Er spricht druckreif über die politische Kultur zu Corona Zeiten und vom Recht auf Widerstand und bürgerlichen Ungehorsam. Ein must-see!

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Die perfekte Welle – Du kannst nicht glauben, dass sie bricht

Am 31. Dezember 2019 berichtete ProMED – ein internationales Netzwerk zur Früherkennung von Infektionsausbrüchen – über eine „mysteriöse Lungenerkrankung in der zentralchinesischen Metropole Wuhan“. „Bild Online“ und „Zeit Online“ griffen es als erste auf. Bild titelte „SARS wieder da?“ Es gab nämlich unter den 1,4 Milliarden Chinesen besorgniserregende 27 daran Erkrankte, also in Worten siebenundzwanzig. ProMED versicherte auch: „die Bürger brauchen nicht in Panik zu geraten“. Warum „in Panik geraten“ fragt man sich da und wird besorgt. Am 26. Februar geht dann Christian Drosten mit seinem Podcast beim NDR auf Sendung. Die Öffentlichkeit fordert Aufklärung durch Experten, hieß es, denn schließlich gab es in Deutschland schon 18 positiv Getestete und in ganz Europa etwas über 400!? Damit beginnt eine beispiellose Medienschlacht, die nun von Walter van Rossum aufgearbeitet wird. Lesenswert!

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Milgram revisited

Viele kennen es, das Milgram Experiment von 1961. Es sollte uns auch ein wenig helfen, aus der Geschichte zu lernen. ‚We do what we’re told‘ sollte sich nicht mehr ereignen – wir sollten stattdessen vorher ausführlich nachdenken, ob das auch alles richtig ist, was man uns sagt. Verbindet man aus aktuellen Anlass Milgram mit einem anderen Experiment, dann wird es ... na lassen Sie sich überraschen.

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Deutschlandglotzen

Was soll man erwarten, wenn großes Feuilleton aufs Fernsehen guckt? Wir werden manch Kritisches zu hören bekommen. Gerhard Stadelmaier, lange Jahre „leitender“ Theaterkritiker der FAZ, hat jetzt „Ganze Tage vor dem Fernseher“ verbracht. So der Untertitel seines Ende 2020 herausgebrachten „Essays“ Deutschlandglotzen.

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Keine Zensur

Hier auf „Philosophisches zur Zeit“ soll kein Blödsinn stehen. Alles, was ich dafür halte, bleibt hier verbannt. Das möchte ich einfach so. Wenn mir also etwas zur Veröffentlichung angeboten wird, das mir nicht gefällt, dann wird’s einfach nichts Philosophisches zur Zeit. Ist das Zensur? Ich denke nicht. Wäre es anders, wenn ich Zuckerberg hieße und meine Seite keine philosophische, sondern nur ein facebook wäre, wenn darauf nicht gedacht, sondern nur gezwitschert würde? Ich denke nicht. Aber ein klein wenig über Zensur nachzudenken, kann auch nicht schaden, oder?

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Einsperren, alle einsperren

Alle scheinen sich einig zu sein, man muss den Lockdown verlängern, nein, verschärfen. Von Grundrechten spricht niemand mehr. Und niemand scheint mehr gewillt, Zweifeln nachzugehen. Ich habe dennoch mal ein paar gesammelt.

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