Grundrechte in Quarantäne

In der Düsseldorfer Altstadt und am Rheinufer herrscht Maskenpflicht und Verweilverbot. Spaziergänger dürfen auf der Uferpromenade nicht stehenbleiben, um gedankenverloren den vorbeiziehenden Schiffen nachzugucken. Sie müssen in maskierter Bewegung bleiben. In Hamburg verfolgen zwei Polizei Fahrzeuge einen Siebzehnjährigen quer durch einen Park, weil er sich mit Umarmung von seinen Freunden verabschiedet hatte. Szenen aus Deutschland im Februar 2021. Was einer der kritischen Begleiter der deutschen Innen- und Rechtspolitik, der ehemalige Richter, Staatsanwalt und langjährige SZ-Redakteur Heribert Prantl, dazu sagt, kann man jetzt in seinem neuen Buch nachlesen: „Not und Gebot. Grundrechte in Quarantäne“ (2021). Ich hatte ihn immer gern gelesen und es tut gut, es nun wieder zu tun.

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Der realistische Blick
Hans Holbein: Der tote Christus im Grabe (1521); Basel, Kunstmuseum

Der realistische Blick

Ganz und gar außergewöhnlich – so muss man es wohl nennen das 1521 in Basel entstandene Werk Hans Holbeins. Allein das Format erstaunt: nur etwas höher als eine DIN A4 Seite (nämlich 30,5 cm) ist es doch 2 Meter breit. Wir blicken auf den Leichnam eines Menschen, der uns in strikter Profilansicht in einem Grab liegend gezeigt wird. Das Grab ist eng, der Körper füllt in der Länge das Grab, so dass die Füße die rechte Seitenwand zu berühren scheinen und der Brustkorb des ausgemergelten Körpers fast an die obere Grabplatte heranreicht. „Der Leichnam Christi im Grabe“ – so sein Titel – wird uns erschreckend realistisch und annähernd lebensgroß gezeigt. Den Betrachter ergreift ein unheimlicher Schrecken. Ist das ein Karfreitagsbild oder doch ein Osterbild? Es wird sich zeigen, dass das wohl nicht zuletzt auf den Betrachter und sein Selbstverständnis ankommt.

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Kultur der Zurückhaltung & ziviler Ungehorsam

Lord Sumption ist zweifellos dem britischen Establishment zuzurechnen. Er ist natürlich Eton Absolvent, hat in Oxford studiert – wo sonst? – und schließlich dort mittelalterliche Geschichte auch gelehrt. Nach Ausflügen in die Politik arbeitete er als Rechtsanwalt und galt dem „Guardian“ als „a member of the one-million-a-year club“. Schließlich wurde er in den Supreme Court berufen und damit zu einem der obersten Richter des Vereinigten Königreichs. Und jetzt gab er ein Interview, das es in sich hat. Er spricht druckreif über die politische Kultur zu Corona Zeiten und vom Recht auf Widerstand und bürgerlichen Ungehorsam. Ein must-see!

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Die perfekte Welle – Du kannst nicht glauben, dass sie bricht

Am 31. Dezember 2019 berichtete ProMED – ein internationales Netzwerk zur Früherkennung von Infektionsausbrüchen – über eine „mysteriöse Lungenerkrankung in der zentralchinesischen Metropole Wuhan“. „Bild Online“ und „Zeit Online“ griffen es als erste auf. Bild titelte „SARS wieder da?“ Es gab nämlich unter den 1,4 Milliarden Chinesen besorgniserregende 27 daran Erkrankte, also in Worten siebenundzwanzig. ProMED versicherte auch: „die Bürger brauchen nicht in Panik zu geraten“. Warum „in Panik geraten“ fragt man sich da und wird besorgt. Am 26. Februar geht dann Christian Drosten mit seinem Podcast beim NDR auf Sendung. Die Öffentlichkeit fordert Aufklärung durch Experten, hieß es, denn schließlich gab es in Deutschland schon 18 positiv Getestete und in ganz Europa etwas über 400!? Damit beginnt eine beispiellose Medienschlacht, die nun von Walter van Rossum aufgearbeitet wird. Lesenswert!

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Hektor in Troja – vom Wesen der Besinnung

Vor großen Entscheidungen ziehen wir uns zurück, halten inne und besinnen uns im „inneren Monolog“ der Seele mit sich selbst. Nicht alle können das. Und einige können es nicht, weil sie noch nicht „reif“ dazu sind. In Homers Ilias z.B. wird uns ein solches Innehalten geschildert, das viel tiefer greift als das, was wir heute Besinnung nennen. Es ist eine „Besinnung“ aufs eigene Wesen, eine die das Wesen „er-eignet“ ohne dass sie in einer eigenen Überlegung gründet.

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Milgram revisited

Viele kennen es, das Milgram Experiment von 1961. Es sollte uns auch ein wenig helfen, aus der Geschichte zu lernen. ‚We do what we’re told‘ sollte sich nicht mehr ereignen – wir sollten stattdessen vorher ausführlich nachdenken, ob das auch alles richtig ist, was man uns sagt. Verbindet man aus aktuellen Anlass Milgram mit einem anderen Experiment, dann wird es ... na lassen Sie sich überraschen.

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Deutschlandglotzen

Was soll man erwarten, wenn großes Feuilleton aufs Fernsehen guckt? Wir werden manch Kritisches zu hören bekommen. Gerhard Stadelmaier, lange Jahre „leitender“ Theaterkritiker der FAZ, hat jetzt „Ganze Tage vor dem Fernseher“ verbracht. So der Untertitel seines Ende 2020 herausgebrachten „Essays“ Deutschlandglotzen.

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Keine Zensur

Hier auf „Philosophisches zur Zeit“ soll kein Blödsinn stehen. Alles, was ich dafür halte, bleibt hier verbannt. Das möchte ich einfach so. Wenn mir also etwas zur Veröffentlichung angeboten wird, das mir nicht gefällt, dann wird’s einfach nichts Philosophisches zur Zeit. Ist das Zensur? Ich denke nicht. Wäre es anders, wenn ich Zuckerberg hieße und meine Seite keine philosophische, sondern nur ein facebook wäre, wenn darauf nicht gedacht, sondern nur gezwitschert würde? Ich denke nicht. Aber ein klein wenig über Zensur nachzudenken, kann auch nicht schaden, oder?

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Einsperren, alle einsperren

Alle scheinen sich einig zu sein, man muss den Lockdown verlängern, nein, verschärfen. Von Grundrechten spricht niemand mehr. Und niemand scheint mehr gewillt, Zweifeln nachzugehen. Ich habe dennoch mal ein paar gesammelt.

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Was wurde da nicht gefeiert?

Und auch viel reflektiert. Letztes Jahr, 30 Jahre danach. 30 Jahre, das gilt als eine Generation – Generation „Neues Deutschland“, in einem vereinigten Volk, weil „zusammenwächst, was zusammengehört“!? Gut, das mag ein wenig „völkisch“ klingen. Gehen wir’s besser mal rechtsstaatlich oder staatsrechtlich an. Oder anders gefragt: Wissen Sie eigentlich, was am 18. Januar vor 150 Jahren war? Na, es wundert mich schon, dass darüber gar nicht geredet wird. Und sei’s nur wegen der Wieder-Vereinigung.

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Jetzt auch noch Winter!?

  • Beitrags-Kategorie:Ethik

Es schneit. Jetzt wird’s noch gefährlicher. Es sind schlimme Verletzungen zu erwarten. Das mag man sich alles gar nicht vorstellen. Aber wir dürfen vor dieser uns alle betreffenden Gefahr nicht die Augen verschließen. Wir müssen unbedingt die Überlastung unseres Gesundheitssystems verhindern. Also sind wir gezwungen, uns kurzzeitig einzuschränken und auf liebgewordene „Freiheiten“ zu verzichten. Das ist schlicht ein Akt der Solidarität. Tatsächlich können wir hier einiges tun.

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Kunst der Moderne – Museum zu Weihnachten

Die Museen sind zu. Und wenn sie offen sind, dann machen sie (mir) maskiert und mit Hygiene-Leitwege-System keine rechte Freude. Aber zu Weihnachten, zu Weihnachten kann man ein bisschen Museum auf anderen Wegen erleben. Man muss sich nur beschenken lassen.

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