Rubicon

Das Bild des unscheinbaren Flusses in unwirtlicher Stadt-Industrie-Landschaft wurde mir heute entgegengehalten. Ich sollte sagen, ob ich das kenne. Nein? Aber ich hatte ihn doch überschritten. Den Rubicon. Als Caesar ihn am 10. Januar 49 v. Chr. überschritt, war das Ende der Republik eingeleitet. Es war der Beginn eines Bürgerkriegs, der mit Caesars Sieg gegen Pompeius in der Schlacht von Pharsalos (48) vorentschieden wurde, schließlich zu Caesars Wahl als Diktator, der Verschwörung (!) gegen ihn mit seinem Tod an den Iden des Märzes 44 v. Chr. und – wiederum nach einem qualvollen Bürgerkrieg – mit der Schlacht bei Actium 31 v.Chr. gut 20 Jahre später mit der Neugestaltung der Republik unter dem „erhabenen“ Octavian, Augustus, zum Beginn der Caesaren-Herrschaft und einer der längsten Friedenszeiten Roms führte. Ich hatte den Rubicon überschritten – mit meinem Beitrag: „Quarantäne für immer“. Nicht weil ich dort etwas bürgerkriegstreibendes gesagt hätte – nee, gar nicht. Einfach weil ich da war und darüber schrieb. Über eine Querdenken-Demo von „Querulanten“, verdächtig und schmuddelig, etwas, das man hier einfach nicht braucht. Damit ist der Rubicon überschritten.

Das ist wohl als Vorwurf gemeint. Zumindest aus Sicht SPQR – dem Senatus Populusque Romanus. Ja, auch nicht aller, sonst wäre es ja kein Bürgerkrieg gewesen. Wie war das mit SPQR eigentlich vor dem Rubicon? Wie danach? Egal. Es geht ja ums Prinzip. Aber „große“ Zeiten von SPQR kommen ja noch. Und SPQR, den Söders, Merkels, Scholzens und Habeck-Baerbocks – wären die als römischen Senatoren wirklich überlebensfähig gewesen? – muss man ja auch nicht sympathisch finden.

Also, alles, was Recht ist, so nicht!“ Das ist wohl die Botschaft – und man kann sich auch schon mal an Regeln halten und muss den vermutlich rechtsradikalen „Querulanten“ nicht zuarbeiten. Hab’ ich das? Ja, nee, aber durch die bloße Teilnahme, diese … man muss darüber auch gar nicht mehr diskutieren…

Natürlich sehen andere das anders. Gibt’s für die Grundrechte einen Rubicon? Na, auf jeden Fall die Reichsbürger. Für die Einschränkung der Grundrechte – zu Pandemie -Zeiten weitgehend unbestritten – einen Rubicon? Jeder der da mitmarschiert ein Söldner Caesars? Was war erüberhaupt; ein Populist, der seinen Leuten einen auskömmlichen Lebensabend sichern wollte? Oder Neugestalter der Welt? Als was soll ich mich mit meinem Rubicon jetzt fühlen?

Aber da gibt’s ja noch eine ganz andere Deutung. Die ironische. Es gab da schon mal eine Rubicon-Speech von der man sich einiges erwartete – damals von Botha unter Apartheit-Zeiten. Man hatte sich viel Großes erwartet, vieles, was das Apartheit-Elend beseitigt hätte. Große Enttäuschung. Botha hat den beschworenen Rubicon nicht überschritten. War das also zu wenig? Sollte mir das Rubicon-Foto also nur sagen, tu’ was, tu’ mehr, damit das alles endet?! Puh…

Also, Bürgerkriegsgefahr?! Ich glaube nicht an die Erkrankung der Grundrechte und nicht an eine Hygiene-Diktatur. Ich möchte einfach nur Antworten auf vielleicht blöde Fragen – so sind Bürger halt. Und dafür scheint man sogar den Rubicon überschreiten zu müssen.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Fanboy

    “Unsicherheit fördert Redefluss” (Unbekannt)

    1. Heinrich Leitner

      Unbedingt. – Und wo ich’s jetzt lese, schreit’s tatsächlich nach Kürzung.

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