Quarantäne für immer!

Heute Querdenken Demo in Nürnberg. Na ja, eigentlich „Schüler*innen gegen die Maske“. Die Anti-Fa hat gewarnt: Machen Sie sich nicht gleich mit …. Sie wissen schon. Von all dem hab’ ich heut’ nichts gesehen. Keine Fas – also scheinbar (?), andere, die nicht dabei waren, wissen das vielleicht wirklich besser – aber auch keine Schüler*innen. Gefühlt war das Durchschnittsalter bei Mitte 40 aufwärts, steil aufwärts. Gut, da gehör ich jetzt auch fast dazu. Aber ich hatte ja meine Tochter dabei – im Kinderwagen, grade zwei geworden. Wie soll ich das alles beschreiben? Absurd?

Der Rechtsanwalt von der Bühne – wirklich beeindruckend Markus Haintz – klärt die Polizei über gewisse Grauzonen auf – was bewirkt z.B eine  „eidesstattliche Erklärung“ – und die Beamten nehmen es dankend auf. Die Teilnehmer werden mit formaler Gründlichkeit schikaniert – der Zug durch die Stadt muss mit Maske und in Reihen 1,50 Meter Abstand, also drei Leute verteilt auf die Straße, durchgeführt werden. Alle sagen: OK. Alles wird geprüft – die Polizei leitet durch eine Prüfstelle, bei der Maske und – falls ohne – das notwendige Attest gecheckt wird. Ok. Das alles dauert. Bis die paar tausend – gefühlt (!), man will ja nicht lügen – von dem Startplatz durchgeschleust werden, das dauert eine Stunde! Die Veranstalter – vor allem Markus Haintz – mahnt immer wieder zur Ruhe, obwohl Aufregung nie aufkam– außer bei mir. Er wirbt für Verständnis gegenüber den Polizeibeamten, die das alles ja auch nur so durchziehen müssen. 

Quarantäne für immer

Wenn ich mich an andere Demos erinnere, damals in der guten alten Zeit der Linken, wir hätten das nicht ohne Randale gemacht, wir hätten uns gegen die offensichtliche Schikane gewehrt. Aber wir marschieren mit Maske in dreier Reihe auf breiter Straße durch die Nürnberger Weststadt. Nebendran Leute, ohne Maske beim Sonntagsspaziergang, die sich wundern, was diese social distancing Spinner mit Maske nun eigentlich wollen? Die Polizei ist wirklich sehr freundlich – viele Polizisten bedauern uns fast. Ein normales Heimspiel beim Club ist eine größere Herausforderung, die ihnen jedenfalls sagt, dass ihre Arbeit wichtig und richtig ist. Aber hier? Nun gut, es ist nicht die neue Elite, die da auf die Straße geht, und auch nicht die alte. Keine oder sagen wir sehr wenig Studenten. Es sind eher einfach nur Leute, die etwas stört. Die bisher nicht demonstrierten und stattdessen eher für „Brot für die Welt“ oder Greenpeace gespendet haben. Anders als bei der ersten Querdenken-Demo, an der ich teilnahm, hat auch das Esoterik-Flair stark abgenommen. Es ging gegen null. Und keine (Selbst-) Ironie – während ich mir jetzt ein Covidiot-T-Shirt gekauft hab und auch mit einem mit „Verschwörungstheoretiker“ Aufdruck liebäugle, wird hier nur „einfach so“ und im beinahe hilflosen Bestreben, den eigenen Willen mal kundzutun, Widerspruch angemeldet. Alle fühlen sich verlassen in einer absurden Situation. Quarantäne für immer?

Wo sind die Schüler*innen?

Während wir geduldig die Aufstellung zum Umzug erwarten, haben einige Mädels – sorry, junge Frauen – in großem Stil Seifenblasen über einen Teil des sich langsam leerenden Parks gezaubert. Einige Kinder haben sich eingefunden, sie zu jagen. Darunter auch meine zweijährige Tochter. Sie rennt eine halbe Stunde mit Begeisterung den glitzernden Seifenblasen hinterher. Was soll ich mehr über diesen Nachmittag sagen? I’m forever blowin’ bubbles…

 

Wir laufen schließlich nach langem Warten den Umzug durch die Stadt. Es ist ein langer Zug – ohne dass ich einschätzen könnte, wie viele Teilnehmer er wirklich hatte. Bei einem gut besuchten Clubspiel fühlt sich das anders an – das ist wirklich eine Massendemonstration, da müssen die Schüler*innen gegen Masken noch ein wenig werben. Und tatsächlich ist das kein Aufstand der Schüler*innen und auch keiner von besorgten Eltern. Den einen scheint es viel zu uncool und den anderen … na ja, Schule ist ja gelegentlich wieder und Kinder sind halt schwierig.

Mich frustriert das alles. Die Maßnahmen scheinen mir völlig überzogen, die Evidenzen bezüglich Gefährlichkeit der Pandemie und gegen die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen sind aus meiner Sicht so, dass sie zumindest eine ernsthafte Diskussion nahelegen und Revisionen herausfordern. Ich vertrete da wohl auch die Minderheitsmeinung, dass die Grundrechtseinschränkungen moralisch nicht rechtfertigbar waren und sind. Das Querdenken bleibt dagegen zurück.

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Die Tochter zwang mich, direkt nach dem Demo-Zug nach Hause zu fahren. Sie war fertig. Ich irgendwie auch. Als ich mir dann zu Hause die Rede von Michael Ballweg noch über Live-Streaming angeguckt hatte, konnte sich meine Stimmung nicht heben. Ballweg ist keine Rampen-Sau, er taugt nicht für große Stadien und offenbar auch nicht recht für kleinere Demonstrationen. Er warb für weitere Veranstaltungen, hat über Eingaben informiert und alle in ihrer Ratlosigkeit zurückgelassen. Wir müssen also doch auf die Eliten hoffen. Gut, da tut sich inzwischen was. Und vielleicht will sich in ein paar Jahren keiner mehr daran erinnern, dass er damals der Söderschen Wissenschaft gefolgt ist. Bis dahin werden sie elitär und mainstreammedial noch viele coole Dinge teilen und davon träumen, dass wir bald in eine neue Normalität kommen.

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