In defense of those Covid experts …

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Manche Leser wünschen sich weniger Sarkasmus auf PzZ. Ich nehme mir das zu Herzen. Wenn’s wieder mit mir durchgeht, dann möchte ich den Leser zumindest vorher warnen … Was ich hiermit tue. 

Sonntag vor einer Woche fiel der Blick aus dem Elfenbeinturm auf das Wissen des Nicht-Wissens. Den Eingesperrten wurde regierungsamtlich mitgeteilt, dass niemand sagen könne, was das Einsperren hilft. Das ist zugegeben etwas verkürzt, aber die Kürze bringt die Würze und die Sache auf den Punkt. 

Gut, manches weiß man also nicht. Und manches kommt anders als man denkt. Oder besser „rechnet“ und prognostiziert. Praktisch keine Modellierung der Pandemie hatte sich auch nur annähernd bewahrheitet. Aber immer wieder hat „man“ auf die Prognosen gesetzt, deren Modelle sich gerade als katastrophale Voraussagen gezeigt hatten. 

 

Neil Ferguson

Wir erinnern uns, Modellierungsstars wie Prof. Neil Ferugson hatten für 2020 500.000 COVID-19 Tote in UK vorhergesagt; es wurden dann knapp 80.000, also 16 Prozent der „errechneten“ Zahl. Der Professor hat sich also um 600 Prozent „verschätzt“ – wenn man das noch „schätzen“ nennen kann. Vor Wochen wurde dann vor dem Freedom Day „gewarnt“ – sollte der kommen, würden die täglichen Neuinfektionen unaufhaltsam steigen und nach vier Wochen bei 100.000 liegen und der NHS schnell überlastet sein. Drei Wochen nach dem Freedom Day sehen alle Warner augenreibend fallende Infektionszahlen. Sie liegen bei gut einem Viertel des vorausgesagten Werts. Man kann nun sagen, die Modellierer haben dazu gelernt. Ihre Prognose liegt „nur“ noch knapp 400 Prozent daneben. Das holen sie aber bei den prognostizierten Toten wieder rein: bis zu 4.000 wurden errechnet, tatsächlich sind es etwa 100. Das sind dann 4.000 Prozent daneben. Well done, isn’t it?  

Das sehen auch diejenigen, die an die Prophezeiungen glaubten. Ja, die Voraussagen haben sich nicht erfüllt, aber das ist eben Wissenschaft, sagen sie. „In defense of those Covid experts …“ – man darf ergänzen: derer, die falsch lagen – klärt uns der Observer auf, dass wir die Sache völlig falsch verstehen: „attacks on Ferguson betray a fundamental misunderstanding of scientific modelling and, indeed,  the way science works“. Weil – erstes Argument (?) – der arbeitet nämlich gar nicht alleine! Die Modellierung ist Team-Work und „a result of hundreds of researchers throughout the UK“ und – man kann es kaum glauben – „they are not sitting gazing on a crystal ball; they are looking at numbers [Wow] and (!) using them working out possible scenarios“. Unglaublich. Das haben wir „attackierenden“ Laien uns natürlich ganz anders vorgestellt. 

Und überhaupt sind Modelle eben Modelle – 2. Argument. „‚All models are wrong but some are useful‘ is a favoured saying of modellers.“ Nützlich für wen und für was? Die Katastrophenmodelle waren zweifellos „nützlich“ für die Begründung des Lockdowns und der Maßnahmen nach chinesischem Vorbild. Also die „Wissenschaft“ hat nur mal so gesagt, dass es unter bestimmten Bedingungen so kommen könnte und das hat dann die Politik halt aufgegriffen. Man kann über die unsichere Zukunft eben nichts sicheres sagen, aber man kann es laut und in steter Wiederholung sagen, bis es endlich sicher scheint. Die Musen, die auch den Wissenschaften beistehen, bekennen bei Hesiod, dass sie „täuschend echte Lügen zu sagen wissen, Wahres jedoch, wenn wir wollen, wissen wir gleichfalls zu künden” (Theogonie 27f.). 

Und dann ist da noch – 3. Argument – das „fundamtal misunderstanding of the way science works“. Wissenschaft zeichnet das stete Streben nach Überprüfung ihrer Modelle aus: „The scientific endeavour ist based on testing ideas and self-correction, and external challenges make science better. But calling scientists rude names and encouraging the public not to trust experts who revise their data and correct themselves is anti-science and anti-intellectual.” Da haben wir’s: Wissenschaft braucht „external challenges“ für „self-correction“. Den „experts“ aber nicht zu glauben und sich nicht auf ihre Selbstkontrolle zu verlassen ist „Anti-Science“. Nicht zu glauben ist „anti-intellectual“ – auch so kann man’s sehen. 

Pro-gnose, also Voraus-Wissen, ist tatsächlich schwierig. Kann man den Ausgang der morgigen Schlacht wissen? Aristoteles hatte sich damit beschäftigt und seither haben sich manche dazu ihre Gedanken gemacht. Das müssen die Modellierer ja gar nicht verstehen. Ein bisschen „Vorsicht“ wäre schon hilfreich. Tausend Experten haben die Regierung aufgefordert, den Freedom Day ausfallen zu lassen, sie würde sich sonst schuldig machen an tausenden von zusätzlichen COVID-Toten. Wer so wenig weiß, der sollte sich vielleicht bescheidener einbringen als mit drohenden Schuldzuweisungen. 

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