Der realistische Blick
Hans Holbein: Der tote Christus im Grabe (1521); Basel, Kunstmuseum

Der realistische Blick

Ganz und gar außergewöhnlich – so muss man es wohl nennen das 1521 in Basel entstandene Werk Hans Holbeins. Allein das Format erstaunt: nur etwas höher als eine DIN A4 Seite (nämlich 30,5 cm) ist es doch 2 Meter breit. Wir blicken auf den Leichnam eines Menschen, der uns in strikter Profilansicht in einem Grab liegend gezeigt wird. Das Grab ist eng, der Körper füllt in der Länge das Grab, so dass die Füße die rechte Seitenwand zu berühren scheinen und der Brustkorb des ausgemergelten Körpers fast an die obere Grabplatte heranreicht. „Der Leichnam Christi im Grabe“ – so sein Titel – wird uns erschreckend realistisch und annähernd lebensgroß gezeigt. Den Betrachter ergreift ein unheimlicher Schrecken. Ist das ein Karfreitagsbild oder doch ein Osterbild? Es wird sich zeigen, dass das wohl nicht zuletzt auf den Betrachter und sein Selbstverständnis ankommt.

Weiterlesen Der realistische Blick