On what there is …

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Papier ist geduldig: Bielefeld im Entwurf  (Pixabay)

… oder eben nicht

Manche Leute haben ein Image-Problem. Das ist wirklich groß, es ist eine existentielle Frage. Sie sagen, sie kommen aus Bielefeld und alle wissen – haha – das gibt’s ja gar nicht. Jetzt haben Leute, die behaupten aus Bielefeld zu sein, einen Preis ausgeschrieben. Für den Beweis der Nichtexistenz von Bielefeld haben sie ein Million Euro ausgelobt. Wir sind dabei. Wer sollte einen Beweis der Nichtexistenz des Nichtexistenten besser geben können als Philosophen.

Gut, auch die Philosophen haben ein Image-Problem. Man traut ihnen „im Leben“ gewöhnlich nicht viel zu. Thales, einer der ersten, dem man diese „Berufungsbezeichnung“ gegeben hat, sah sich dem Spott einer thrakischen Magd ausgesetzt: Den Himmel erforschend und Blick (und Nase) streng nach oben gerichtet, fiel er, so die Legende, in eine Grube. Was die thrakische Magd nicht wusste, er machte damit Geld. Seine Himmelsbeobachtung führte zu meteorologischen Voraussagen, die er durch den dadurch verursachten Ankauf von Getreide in ein Vermögen verwandelte. Die philosophische Spekulation führte zu spekulativen Gewinnen. Jetzt ist die Zeit, es mit „Blick“ auf das phantastische Bielefeld zu wiederholen. Für Philosophen in der Nachfolge des himmelguckenden Thales ist die Sache ganz einfach.

Nun also kurz zur Werkleistung für das Nichtexistierende: Bielefeld ist der Name einer Stadt. Gibt es Städte? Es gibt Häuser, Straßen, Menschen … und einen Namen für eine unbestimmte Ansammlung solcher „Dinge“ – der Name referenziert ja nichts Bestimmtes (ohne das rote Haus in der Eckendorfer Str wird der Name „Bielefeld“ immer noch verwendet und auch wenn Karin nicht mehr in der Stadt ist, soll Bielefeld noch Bielefeld „sein“) und nichts Bestimmtes ist eben überhaupt nichts. Es „gibt“ also das Wort und das bezeichnet irgendwas, aber das gilt auch für „Pegasus“ und „Rumpelstilzchen“. In diesem Sinne „gibt“ es auch Bielefeld und das heißt eben, es gibt es nicht! Das trifft natürlich auch auf andere Phantasmagorien zu: FÜ z.B. gibt’s natürlich nicht und München, die „Landeshauptstadt“ – kotz -, die sowieso nicht. Aber das schmälert ja jetzt die Nicht-Existenz von Bielefeld nicht! (- ob man die Nichtexistenz tatsächlich irgendwie schmälern kann, das überlassen wir den „Kollegen“ von der Analytischen Philosophie – ein entsprechendes Arbeitsbeschaffungsprogramm ist für sie bereits aufgesetzt)

Hinzu kommt etwas – das mag jetzt Uneingeweihte verblüffen – es betrifft nicht alle Städte! Nürnberg gibt’s natürlich schon! Denn: wir sind der Club! Aber das ist eine andere Geschichte und hat mit der Preisfrage jetzt nichts zu tun!

Ok, wir sind durch. Überweist schon mal das Geld. Natürlich ist uns als Philosophen der schnöde Mammon so was von egal. Wir respektieren aber die Spielregeln. Das geht alles in die Stiftung Colloquium ad probandum Dei. Wir nutzen die Nichtexistenz von Bielefeld für das, was es wirklich gibt. Wir wandeln Pfefferspray in Weihrauch.

Aber halt, die Bielefelder glauben doch tatsächlich besonders gescheit zu sein. Sie versuchen sich mit einer Bielefelder Antinomie vor dem Fall ins Nirvana zu retten: „Das Preisgeld steht zur Verfügung“, beteuert laut F.A.Z. Franzke, der sich den Preis ausgedacht hat. Das Schlauerle will aber eine Einschränkung machen: „Wenn jemand beweisen kann, dass es uns nicht gibt – wer soll dann das Preisgeld zahlen?“ Aber das ist ja so nichtig wie Bielefeld selbst. Leute, die wie nun bewiesen fälschlicherweise die Existenz Bielefelds behaupten und die in durchaus lobenswerter Aufklärungsabsicht den Preis des bielefeldischen Nichts ausgelobt haben, die „gibt“ es und die lassen sich durch ein paar befreundete „Albaner“ (Vorsicht Berufsbezeichnung, kein Rassismus!) oder besser noch mit einer freundschaftlichen Bitte an Don Corleone auch finden! – „Übergib das Clemenza!

Die Links dieser Seite wurden zuletzt am 04.09.2019 überprüft.


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