Alles eine Sache der Interpretation

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Neuseeland, die waren ja echt erfolgreich. Es verfolgte ein Zero-COVID Strategie, die mit rigorosen Ausgangsperren, monatelange Schulschließungen und einem fast kompletten Einreisestopp verbunden war. Und natürlich wurde geimpft. 78% der Bevölkerung ist doppelt geimpft und 47% geboostert. Ja nu und seit Ende des Jahres 2021 steigen die Impfektionen nun steil an. Woran liegt das? Die Regierung meint wohl, es läge an den Ungeimpften. Also: Impfpflicht! Die Geboosterten stecken sich zwar nach wie vor an. Die Umgeimpften natürlich auch und erkranken auch nicht schlimmer. Aber was soll’s, eine Impfpflicht hilft bestimmt, meint jedenfalls die Regierung. 

Nun meint der High Court Neuseelands, dass das die Impfpflicht eine gross violation of human rights darstelle. Wie soll man nun gross übersetzen? Mit grob vielleicht? Oder derb? Oder etwas frei: grass oder brutal? Na ja, jedenfalls eine Verletzung. Das ist natürlich nur eine Einzelmeinung. Das kann man natürlich auch anders sehen. Aber eben auch so – ohne ein durchgeknallter Rechtsextremist zu sein. Oder können die Süddeutschen, die Zeit-Schreiber und öffentlich-rechtlichen Propagandisten dem High Court eine Kontaktschuld nachweisen? Auszuschließen wär’s nicht. Zunächst einmal herrscht darüber Stille. Wir sollen halt einfach nicht verunsichert werden!

Hüte Dich vor Schweden!

Über Schweden wird da anders berichtet. Da gab es nämlich eine Kommission, die die Maßnahmen des schwedischen Staats untersuchen sollte. Ergebnis: es war nicht alles gut. Also bitte! 

Kritisiert wird, dass man die Alten- und Pflegeheime nicht frühzeitig gezielt geschützt habe. Und: dass die aus den Ski-Ferien in den Alpen zurückreisenden Schweden nicht getestet wurden. Hier hätten die Maßnahmen früher und entschiedener einsetzen sollen. Übrigens eine Kritik, die Anders Tegnell, der schwedische Staatsepidemiologeund die schwedische Regierung bereits im Sommer 2020 ausdrücklich als Fehler eingeräumt hatten. Bedeutet das, dass Schweden einen Prof. Dr. Dr. Lauterbach, einen Prof. Dr. Drosten oder einen Dr. Söder gebraucht hätten? Dass die schwedische Pandemie-Politik gescheitert ist?

Nö, nicht wirklich. Die fehlenden Maßnahmen“ zu Beginn, auf die der Merkur im Titel abhebt, beschreiben nicht wirklich das Kommission-Ergebnis. Der Merkur kommt nicht umhin, im Dickicht des Textes dann folgendes zu zitieren. 

 «Verglichen mit dem Rest Europas ist Schweden relativ gut durch die Pandemie gekommen», schrieb die Kommission. Es zähle zu den Ländern mit der geringsten Übersterblichkeit im Zeitraum 2020/2021.

Die „guten Menschen“ folgen der Regierung – so Jacinda Ardern in 2020 – und nun?

Und in Schweden? Na wir ahnen’s ja: 

Auch Die WELT berichtet von der „Schelte“ und belegt das im Artikel mit erstaunlichen Daten: 

Und auch die Ärztezeitung – allerdings… „nur ein wenig“

Oh, dann doch. Und bei Der WELT? Die Schelte“ ist die nämliche: alles viel zu spät und alles viel zu lasch. Und dann? Ja dann, ich zitiere: 

Und auch die Todesfallstatistik in dem skandinavischen Land sieht nach zwei Jahren Coronavirus günstiger aus. „Wenn man sich die ganze Pandemie ansieht, ist Schweden eins der Länder mit der niedrigsten Übersterblichkeit“, sagt Kommissionschef und Jurist Mats Melin.

Und dazu gibt’s bei Der WELT noch folgende Grafik zur „Tödlichen Bilanz“:

Die WELT berichtet über Kritik an Schweden

Man hätte jetzt Belgien, Italien, Spanien und Frankreich noch dazu nehmen können. Alle vorbildliche Lock-downer und was die Todeszahlen betrifft weit vor Schweden (also weit schlechter als das freie Sverige). Der Unterschied der Mortalität über den Gesamtverlauf der Pandemie zwischen Deutschland und Schweden ist 0,02%. Nur: Schweden war frei, keine Schulschließungen, kein Lockdown, keine Maskenpflicht usw. usf. – und jedenfalls ohne gross violation of human rights. Und wurde uns nicht versichert, dass wir ohne die Maßnahmen ins Chaos stürzen würden? 

Das scheint auch für die ÄrzteZeitung durchaus relevant: Sie kommt zu dem vergleichsweise stimmigen Abstract:

Schweden hat mit zu wenigen Maßnahmen und zu spät auf die Corona-Krise reagiert – zu diesem Schluss kommt die zur Analyse des schwedischen Sonderwegs eingesetzte Corona-Kommission. Das skandinavische Land hätte schon zu Pandemiebeginn im Februar und März 2020 kräftigere und einschränkendere Maßnahmen ergreifen sollen, schrieb die Kommission in ihrem am Freitag veröffentlichten Abschlussbericht. Zugleich betrachtete sie den Weg der Freiwilligkeit für Schwedens Bürger als generell richtig.

Und am Ende berichtet die ÄrzteZeitung auch noch von dem Schluß, zu dem die Kommission kam, nämlich „dass der schwedische Weg mit Ratschlägen und Empfehlungen, die die Menschen freiwillig befolgen sollten, generell richtig war. „Das bedeutete, dass die Bürger mehr von ihrer persönlichen Freiheit behalten haben als in vielen anderen Ländern.““

 

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