Inside Kakanien I.12: Bonadea

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Manchmal muss man auch einfach nur schwärmen dürfen. Z.B. über solche Sätze, die wir über die neue Geliebte lesen, der der Musilsche Held den Namen „Bonadea“ gab: „Der klangvolle Name, den ihr Ulrich beigelegt hatte, gefiel ihr, und sie trug ihn bei ihren Besuchen wie ein prächtig gesticktes Hauskleid. »Ich bin also deine gute Göttin?« fragte sie – »deine Bona Dea?« – und die richtige Aussprache dieser beiden Worte erforderte es, daß sie ihm dabei die Arme um den Hals legte und ihn mit leicht zurückgeneigtem Kopf gefühlvoll anblickte.

Und wenn Sie – wie ich selbst – manchmal zweifeln, ob der Mann ohne Eigenschaften wirklich so ein großer Roman und nicht vielmehr ein Medium zur Absonderung kulturtheoretischer „Einsichten“ ist, gleichsam ein früher Blog, dem eine Rahmengeschichte gegeben wurde, dann kann ich Ihnen zumindest versprechen, dass sie bei der Lektüre dieses „Hypertextes“ fast auf jeder Seite eine strahlende Formulierung finden. Manchmal beschleicht einen freilich der Verdacht, dass ein ganzer (Blog-) Beitrag – genannt „Kapitel“ – vielleicht nur deshalb geschrieben und so geschrieben worden sein könnte, weil Musil diese eine sprachliche Großartigkeit im Notizbuch stehen hatte, die er nun zum Strahlen bringen musste.

Noch ein Beispiel gefällig? Musil schafft es nämlich sehr oft, in einem „Beitrag“ gleich mehrere Notizbuch-Schätze zu verstecken: „Männer pflegen solche liebessüchtige Frauen, sobald sie den Zusammenhang heraus haben, meist nicht viel besser zu behandeln als Idioten, die man mit den dümmsten Mitteln verleiten kann, immer wieder über das gleiche zu stolpern. Denn die zarteren Gefühle der männlichen Hingabe sind ungefähr so wie das Knurren eines Jaguars über einem Stück Fleisch, und eine Störung darin wird sehr übelgenommen.

P.S.: Apropos Bonadea. Was stellen wir –also wir Männer – uns da vor? Hera oder Aphrodite? Der schöne Paris  sollte zwischen häuslicher Ordnung, Geist und Se… äh Liebe wählen und ließ sich dabei vom sinnlichen Verlangen leiten. Gut, das war kein Mathematiker. Den Römern jedenfalls galt Bonadea als Göttin der Keuschheit und ihr Tempel als „Mittelpunkt alles Ausschweifungen“. Musil nennt das  „eine seltsame Umkehrung“. Aber „Ausschweifungen“ sind eben voll OK, meine Damen, wenn sie (räumlich) begrenzt bleiben und die (häusliche) Ordnung und den Geist nicht stören. Für bestimmte Dinge geht man eben außer Haus. Was ist daran so schwer zu verstehen?

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