Dem scholastischen Nachdenken nacheifern

Die Scholastik ist in modernen Zeiten in Verruf geraten. Und wie bei den meisten historischen Verwerfungen hat das gute Gründe. Die „modernen“ Aufklärer sahen in ihr ein Relikt aus dunklen Zeiten, in dem es in einem „Zeitalter der Vernunft“[1] keinen Platz mehr geben kann. Freilich war die Scholastik selbst ein bislang nie bekannter Aufbruch zur Vernunft, der das europäische Geistesleben nachhaltig prägte.

Thomas von Aquin – WikiCommons

Erste Anfänge im 11. Jahrhundert (z.B. bei Anselm von Canterbury und Petrus Abaelardus) entwickelten sich dann im 13. und 14. Jahrhundert zu den großen Entwürfen der scholastischen Philosophie bei Thomas von Aquin (1225-1275), Duns Scotus (1266-1308) und Wilhelm von Ockham (1288-1347). Mit ihr verbunden ist eine neue Methode, die das philosophische Nachdenken revolutioniert hat und zu dem wir uns bewundernd zurückwenden können.

Alles in dem Versuch, das philosophische Wissen der Zeit zusammenzutragen und „wissenschaftlich“ zu begründen. Die großen Fragen der Philosophie wurden dabei systematisch in eine Fülle von Kernfragen zerlegt, den Quaestiones, die dann in zugeordneten Einzelfragen, Artikeln, beantwortet werden sollten. Immer sollte für alle „Mitdenkenden“ klar sein, worum es gerade geht und in welchem Kontext die Frage fragwürdig ist. Tatsächlich ist es eine der philosophischen Herausforderungen überhaupt die Fragwürdigkeit einer Frage (ihr „Problem“) zu verstehen. Wer den Sinn einer Frage nicht begreift, dem bleibt auch die Bedeutung der Antwort verschlossen.

Ich erläutere das an einem Beispiel aus der Praktischen Philosophie, nämlich der Frage, was wir unter dem Willentlichen zu verstehen haben, also dem, was wir wollen.[2] Thomas hat sich im ersten Teil seiner Summa Theologiae den Fragen nach Gott und Welt gewidmet und wendet sich im zweiten Teil Dingen zu, die traditionell der Praktischen Philosophie zugerechnet werden. Dabei geht es zunächst um „das letzte Ziel des menschlichen Lebens[3] (ob es ein solches gibt und worin es besteht) und schließlich in einem zweiten Schritt darum, wie und durch was wir es erreichen bzw. verfehlen. Kein kleines Vorhaben. Thomas wird dazu (in 114 Quaestiones) über die menschlichen Aktivitäten und Leidenschaften sprechen, dann die Haltungen (Tugenden und Laster) untersuchen und schließlich vom Gesetz reden. Schließlich wird er (in weiteren 189 Quaestiones) beginnend mit den „theologischen Tugenden“ von Glaube, Hoffnung und Liebe die (ethischen) Kardinaltugenden behandeln.

Vom Willentlichen

Nachdem Thomas das höchste Gut (ultimus finis) in insgesamt 5 Quaestiones mit 40 Einzelfragen als „Glück“ (beatitudo) bestimmen konnte, wendet er sich nun den Handlungen zu, durch die wir es zu erreichen suchen. Es gilt sie in ihrem Wesen zu bestimmen und ihre Prinzipien zu erläutern. Menschliche Handlungen unterscheiden sich von pflanzlichen und tierischen „Strebungen“ dadurch, dass sie willentlich sind (voluntarius). Deshalb ist nach Thomas zunächst vom Willentlichen und Unwillentlichen zu handeln (De voluntario et involuntario). Thomas tut das in acht Teilfragen, die wiederum systematisch aufeinander aufbauen: Ob es Willentliches im menschlichen Handeln überhaupt gibt (Artikel 1) [4] und ob es Willentliches auch bei Tieren gibt (Artikel 2), ob von Willentlichem unabhängig von menschlichem Handeln gesprochen werden kann (Artikel 3)[5] und ob der Wille äußerer Gewalt unterliegt (Artikel 4).[6]

Die Fragwürdigkeit einer Frage

Das methodisch rationale Vorgehen der Scholastik sieht man in seiner Konsequenz am besten, wenn man sich die Beantwortung einer Frage anguckt. Ist der Kontext der Frage hergestellt (also ihr Zusammenhang mit den großen übergreifenden Fragen), so muss auch ihre Fragwürdigkeit verständlich werden. Warum ist es überhaupt fraglich, dass wir von Willentlichem sprechen? Versteht sich das nicht von selbst?

Die Antwort soll ja etwas Unklares klären. Eine These behauptet etwas, dem nicht per se zugestimmt wird oder werden kann. Wäre was wir behaupten selbstverständlich, dann hätte die Behauptung wenig Sinn. Nur wenn wir davon ausgehen, dass das Behauptete von anderen anders „gesehen“ wird, wird aus der Behauptung eine Behauptung die einen echten Wissensgewinn darstellt.

Meinungen gibt es immer viele, sie stehen grundsätzlich im Plural. Nun geht es aber im scholastischen „Diskurs“ nicht um irgendwelche Meinungen, sondern um solche, die den zu behandelnden Gegenstand „auf hohem Niveau“, auf der Höhe der Wissenschaft, vergegenwärtigen. Es geht um Autoritäten, die sich zum Gegenstand geäußert und denen wir es allererst verdanken, dass uns der Gegenstand in seiner Fraglichkeit überhaupt zugänglich ist. Unsere Meinung entspringt den vorausgehenden Meinungen, den Vor-Urteilen, die wir zunächst übernehmen und aus denen sich unser Nachdenken speist. Alles Wissen gründet in einem Vorwissen, das wir selbstverständlich voraussetzen. Ausgangspunkt der eigenen Fragen sind immer die Antworten, die andere bereits gegeben haben. Es gilt sie in dem zu verstehen, was sie sagen.

Quaestio der Summa Theologiae – WikiCommons

„Scholastisches“ Denken geht dabei in vier Schritten vor: Es geht von „starken“ Einwänden aus, die sich einem bestimmten Verständnis entgegenstellen (1), das sich freilich seinerseits auf eine Autorität stützen kann (2). Die verwirrende Lage sich (scheinbar) widerstreitender Autoritäten zeigt, dass es sich um eine echte Frage handelt, die eine Antwort verlangt (3). Eine Antwort kann aber nur befriedigen, wenn sie berechtigte Einwände zu berücksichtigen vermag (4).

Das Wissen der Tradition (1)

Wenn Thomas danach fragt, „ob es Willentliches im menschlichen Handeln gibt“, dann geht er wie bei allen Artikeln von den starken Argumenten aus, die die Willentlichkeit menschliches Handeln in Frage stellen. Und tatsächlich scheint es, dass es Willentliches im menschlichen Handeln nicht gibt. Nicht irgendwer, sondern der Philosoph Aristoteles, und die Kirchenväter Gregor von Nyssa und Johannes Damascenus sagen übereinstimmend, dass Willentliches seinen Grund in sich selbst und nicht in einem anderen hat. Wir sprechen dann von „willentlich“, wenn der Grund des Handelns in uns liegt, nämlich in unsrem Willen, und nicht durch eine andere, äußere Ursache hervorgerufen wird. Menschliches Handeln aber wird durch das veranlasst, worauf es aus ist. Ohne dieses außerhalb unseres Willens liegende Handlungsziel wäre der Wille gegenstandslos. Wir wollen etwas und dieses etwas bewegt uns zum Handeln. Das ist der erste gewichtige Einwand (obiectio), der der Willentlichkeit des menschlichen Handelns entgegensteht.

Hinzu kommt, dass jeder Veränderung eine Veränderung vorausgeht, die sie „von außen“ hervorbringt. Jede Wirkung hat eine Ursache. Das gilt auch für Handlungen. Kein geringerer als Aristoteles hat das für alle Veränderungen behauptet, die wir bei „beseelten Wesen“ beobachten. Darin sieht Thomas einen zweiten Einwand, der es nahelegt, dass es im „menschlichen Handeln nichts Willentliches[7] gibt.[8]

Beide Einwände entsprechen durchaus auch „modernen“ Überlegungen, die das Willentliche als eine missverständliche Beschreibung für eine Kausalbeziehung z.B. eines Reiz-Reaktions-Mechanismus verstehen.

Ein Anstoß zum besseren Verstehen (2)

Allerdings gibt es auch etwas, dass diesen Einwänden entgegensteht (sed contra): Johannes Damascenus sagt nämlich, das Willentliche sei ein Akt „vernünftiger Tätigkeit“ und sei deshalb menschlichen Handlungen eigen.[9] Auch dieses Argument ist ein „autoritäres“ und entspringt einem maßgeblichen Vertreter des überlieferten Wissens. Wenn Autoritäten sich zu widersprechen scheinen, dann stimmt etwas nicht.

Das eigene Nachdenken wird durch die scheinbare Unstimmigkeit gewichtiger Argumente ausgelöst. Die Frage ist eine echte Frage, weil sie in der philosophischen Tradition angelegt und von den Besten, denen man sich zuwenden kann, nahegelegt wird. Die eigene Antwort bezieht sich auf die richtungsweisenden Antworten, die bereits gegeben wurden.

Die Antwort (3) …

Im dritten Schritt gibt Thomas Antwort auf die gestellte Frage („ob es bei menschlichen Akten Willentliches gibt“). „Ich antworte [respondeo], dass Willentliches in menschlichen Handlungen angenommen werden muss.[10] Eine Bewegung oder Veränderung gründet entweder in dem Gegenstand selbst oder in etwas anderem. Wird ein Stein geworfen, dann ist seine Aufwärtsbewegung dem Werfenden zuzurechnen, seine Abwärtsbewegung aber seinen materiellen Eigenschaften, die ihm als Stein zukommen. Auch wenn wir das unter Newtonischer Perspektive etwas anders beschreiben würden, verstehen wir, was Thomas meint. Dass Steine fallen, liegt – terrestrische Normalbedingungen vorausgesetzt – an den mit ihrer Masse verbundenen Naturgesetzen, dass wir mit ihnen Früchte vom Baum holen oder uns im Weitwurf üben wollen, entspringt unserer Absicht. Der Zweck begründet die Handlung, die als Mittel verstanden wird, ihn zu erreichen. Wir verhalten uns so, weil wir etwas wissen. Das unterscheidet Handeln von kausalen Begründungen von Ursache und Wirkung. Kausale Ursachen wissen nicht, welche Wirkungen sie hervorbringen. Traditionell werden kausale Wirkursachen (causae efficientae) und finale Zweckursachen (causae finales) unterschieden: die eine gibt an wie eine Veränderung hervorgebracht wurde, während die andere die Antwort darauf gibt, zu welchem Zweck ein verursachendes Mittel eingesetzt wurde bzw. werden soll. Wirkursachen ersetzen keine Zweckursachen. Eine Veränderung durch die Vorstellung eines Zwecks hervorzubringen und wissentlich die Mittel der Hervorbringung einzusetzen, bedeutet „willentlich“ vorzugehen: „und da, nach den Definitionen von Aristoteles, Gregor von Nyssa und Johannes Damascenus das Willentliche dadurch definiert ist, dass es nicht nur ein Prinzip innerhalb des „Tätigen“ ist, sondern auch Wissen impliziert. Und da der Mensch in herausragendem Sinne den Zweck seiner Tätigkeit kennt, …, sind seine Handlungen im eigentlichen Sinne willentlich.[11] Während die Wirkkausalität die gegenständliche Bedingung für die Veränderung beschreibt ist der am Zweck ausgerichtete Wille eine vernünftige (geistige) Selbstbestimmung des überlegenden, mit sich sprechenden Menschen.

…, die die Tradition besser verstehen lässt (4)

Das Verständnis, das sich in der Antwort zeigt, wird nun im letzten Schritt mit den Einwänden zusammengebracht, die aus der Tradition gegen sie vorzuliegen schienen. Jeder Einwand wird deshalb mit Blick auf das gewonnene Verständnis gewürdigt. Der erste Einwand verwies darauf, dass der Wille von außen durch das „Objekt“ bestimmt wird, auf das er aus ist. Thomas bestreitet das nicht – wie sollte er das auch bei Aristoteles, Gregor von Nyssa und Johannes von Damascenus auch tun können. Freilich versteht die Antwort besser, was mit dem Argument gemeint ist. Wir sehen nun, dass Gründe unterschiedliche Perspektiven und Reichweiten haben. Ein Prinzip ist ein Prinzip für etwas, d.h. der letzte (oder „erste“)[12] Grund für das zu Begründende. Es ist nicht der letzte Grund für alles – das wäre für Thomas immer die göttliche Schöpfung oder modern naturalistisch gesprochen immer der Urknall. Und so ist der äußere Gegenstand des Willens zwar in gewissem Sinne ein Anstoß des Willens. Die Handlung aber begründet sich über Wissen und Überlegung, die den eigentlichen Grund der Handlung geben. Ein Gegenstand wird erst durch die Überlegung zu einem Zweck, der uns in bestimmter Weise handeln lässt. Aristoteles oder die Heiligen Gregor und Johannes behaupten nichts Falsches. Die „unverständige“ Anwendung ihrer Überlegungen führt allerdings zu irrtümlichen Schlussfolgerungen.

Denken heißt Nach-Denken

Gerade in diesem letzten Schritt zeigt sich das Prinzip „scholastischen“ Nachdenkens. Es ist keine Besserwisserei, kein kleingeistiges Nachrechnen, um den großen Vorgängern begriffliche Unklarheiten oder gar logische Fehler nachzuweisen. Es ist eine völlige andere Haltung, die von Respekt und dankbarer Anerkennung erfüllt ist. Richtig zu verstehen heißt nicht zu widerlegen oder das logische Mütchen zu kühlen.[13] Es heißt mit den großen, vorangehenden Denkern, das von ihnen Gemeinte verstehen. Denken heißt Nach-Denken.

Niemand beginnt neu. Seine Fragen verstehen sich aus seiner Herkunft, aus der Sprach- und Lebensgemeinschaft, der er entstammt. Die meisten solcher Fragen sind durch Eltern, Lehrer oder Experten schnell zu beantworten. Sie stellen keine Probleme dar. Warum gilt der Satz des Pythagoras? Das kann an der Tafel schnell gezeigt und bewiesen werden. Da bleiben keine Fragen offen. Andere Fragen sind „problematischer“. Ob eine Handlung willentlich genannt werden sollte z.B. oder frei. Hier gibt es bei Eltern, Lehrern und vor allem „Experten“ unterschiedliche Argumente, die ernstgenommen zu werden verdienen.

Wir kennen das aus der Auslegung „heiliger“ Texte. Es geht um die hermeneutische Aneignung des darin Gesagten. Bei „heiligen“ Texten kann es – soweit man sie für heilig hält – nicht um Zurechtweisung oder gar Widerlegung gehen. Der Gläubige möchte sie nur richtig verstehen. Die Hermeneutik setzt diese Haltung bei jeder ernstgemeinten Lektüre und jedem wirklichem Gespräch voraus[14]. Wir führen ein Gespräch, weil wir uns etwas sagen lassen und zu einer gemeinsamen Sicht kommen wollen. Kritik setzt dabei immer voraus, dass der andere nicht völlig falsch liegt. Sonst wäre er einer Kritik auch nicht zugänglich. Er bräuchte eine Therapie. Kritik ist in diesem Sinne immer die richtige Einordnung des Gemeinten.

Das ist der modernen Einstellung ziemlich fremd. Aufklärung geht davon aus, dass wir uns aus einer „dunklen“ Herkunft herausarbeiten müssen. Sie setzt auf Erkenntnisgewinn durch Forschung und redet sogar vom „moralischen Fortschritt“. Das Alte ist falsch. Das Wahre liegt in der Zukunft. Das mag für Vieles gelten und es kommt darauf an, zu verstehen für was. Und dabei hilft eine „scholastische“ Einstellung, die das Denken anderer im Nachdenken ernst nimmt.

 

P.S.: Stellen wir uns doch einfach mal vor, dass wir aktuelle Auseinandersetzungen in „scholastischer“ Haltung mit Respekt und der anerkennenden Würdigung vorgebrachter Argumente führen könnten. Der Ausgangspunkt wäre dann nicht die eigene These, die gegen „querdenkende“, „verschörungstheoretische“ Gegner verteidigt werden müsste. Das ist „scholastisch“ sinnlos oder zumindest sehr „langweilig“. Ausgangspunkt wären umgekehrt die „starken“ Einwände, die der eigenen These vorausgehen. Kollegen würden nicht als Pseudo-Experten betrachtet und besorgte Laien nicht als Idioten. 

 

[1] Eine stehende Redewendung, die sich immer wieder findet, bei Foucault z.B. eine hintersinnig skeptische Bedeutung gewinnt: Wahnsinn und Gesellschaft. Eine Geschichte des Wahns im Zeitalter der Vernunft (1961)

[2] Das Beispiel I-II, q. 6, art. 1 wähle ich aus zwei Gründen: es wird (1) immer noch viel diskutiert, was wir unter dem Willentlichen zu verstehen haben und (2) werde ich in einem der nächsten Beiträge die Summe aller Summen zu diesem Thema vorstellen, nämlich Francesco Suarez’ De voluntario et involuntario.

[3] Primo considerandum de ultimo fine (ST I-II, q. 1, prooem. )

[4] Utrum in humanis actibus inveniatur voluntarium?

[5] :Utrum voluntarium ess possit absque omni actu?

[6] :Utrum vielentia voluntati possit inferri? Insgesamt wird die Frage, was das Willentliche ist, in acht Artikeln behandelt.

[7] In humanis actibus non inveriatur voluntarium (ST I-II, q. 6, art. 1, obj. 1).

[8] Thomas führt wie meist noch einen dritten Einwand aus, der theologisch motiviert ist und für die hier verfolgte Absicht bedeutungslos ist.

[9] Voluntarium es actus qui est operatio rationalis. Tales sunt actus humani. (ST I-II, q. 6, art. e1, s.c.).

[10] Respondeo dicendum quod oportet in actibus himanis voluntarium esse: ST I-II, q. 6, art. 1, co.

[11] Et inde est quod voluntarium dicitur esse, secundum definitionem Aristotelis et Gregorii Nysseni et Damasceni, non solum cuius principium est intra, sed cum additione scientiae. Unde, cum homo maxime cognoscat finem sui operis … in eius actibus voluntarium invenitur. (ST I-II, q. 6, art. 1, c)

[12] Für uns in der Begründung der letzte Grund, der gegeben werden kann, und an sich das Erste, von dem ausgegangen wird.

[13] Die Scholastik feiert eine gewisse Renaissance in der analytischen Philosophie. Dort will man an die begriffliche Präzision und logische Strenge der Scholastik anknüpfen. Das wird der Scholastik nicht wirklich gerecht und macht das Mittel zum Zweck. Die Aufklärung hat die Scholastik als Begriffsakrobatik verlacht und karikiert sie mit spitzfindigen Fragen der Art, wie viele Engel denn wohl auf einer Nadelspitze Platz hätten. Manch analytischer Philosoph bewundert die begriffliche Schläue und methodische Gerissenheit, Probleme durch das Jonglieren mit einer Fülle analytischer Unterscheidungen zu behandeln. Wir werden sehen, dass es gute Gründe gibt, dass es zu dieser Degenerierung der Scholastik gekommen ist, und dass gerade sie, kein Grund ist, sich ihr wieder zuzuwenden.

[14] Das besagt natürlich nicht, dass es nicht Texte gäbe, die bedeutungslos oder irreführend wären. Wir legen sie dann beiseite. Auch dabei können wir uns täuschen. Ein Text, der uns nichts zu sagen vermag, ist dann vielleicht nur einer, der (bis auf Weiteres?) nichts für uns ist.

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